Moseltour – Aus dem Zug, durchs Ghetto über die Wildnis zurück zur Zivilisation
Verfaßt von Florian Graus am 12. Juni 2011, kategorisiert unter Urlaube / Ausflüge
Donnerstag, 02. Juni 2011

Zu meinem runden Geburtstag bekam ich von Marie eine bestens organisierte Urlaubswanderung geschenkt. Das Wandergebiet war die Moselgegend zwischen Trier und Traben-Trarbach.
Los ging der Urlaub mit vollen Rucksäcken und einer Zugfahrt durch das Pfälzer Hinterland. An Christi-Himmelfahrt wurde der Zug auch recht intensiv genutzt. Wobei wir glücklicherweise keine Bier saufende Vatertagsgesellschaft bei uns im Abteil hatten. Nur es stämmigere Chorsängerinnen. Es stellt sich die Frage was besser ist. Zumindest sangen die Damen nicht aber einige gesellten sich auf die Plätze neben uns. So fuhren wir, eingepfercht zwischen Fenster, Rucksack und Gesangstalent nach Trier.
Dort angekommen mußten wir zuerst etwas essen und uns orientieren. Schnell war der richtige Weg gefunden und wir marschierten los. Wir liefen durch die weniger ansehnlichen Gebiete Triers entlang den Bahngleisen. Der Weg führte uns durch ein Industriegebiet vorbei an, wir vermuten, Sozialwohnungen. Es sah dort auf jeden Fall aus wie in klein-Mexiko. Weiter ging es, vorbei an der städtischen Kläranlage. Dann erreichten wir nach einer Weile den Stadtteil Ruwer. Hier ging es bergauf durch ein Wohngebiet mit etlichen Flachdachbungalows, sehr wahrscheinlich die teureren Grundstückpreise Ruwers. Von hier hatte man schon den ersten schönen Blick auf die Schleifen der Mosel.
Wir hatten bereits Mittag und es war, obwohl der Weg durch den Wald führte, doch recht warm. Wir sehnten uns nach einem kalten Bier und etwas zu essen. Nach der Überquerung der B52 wartete ein großes, verbautes Ausflugsrestaurant mit Biergarten auf uns: “Zur Sang. Zu dumm, daß es geschlossen hatte. An Christi-Himmelfahrt, bei bestem Wetter, im Juni… Wir betrachteten dafür die Ponys, Esel und Ziegen welche auf eingezäunten Terrains hin und her spazierten.
Im Zick-Zack ging es weiter durch den Wald. Zeitweilen mußten wir uns fragen ob wir noch auf dem richtigen Weg waren. Dieser war schmal und zugewuchert als hätte ihn zu Letzt ein alter Römer begangen. Er führte schön vorbei an einer weiteren Kläranlage und einer kleinen beschaulichen Mülldeponie, der Weg nicht der alte Römer. Wir erreichten die K77 welche uns nach Fastrau führte. Auch hier, weit und breit kein Lokal, keine Weinstube und kein “Wir-haben-geöffnet-und-zu-essen”. Wir unterquerten die beachtliche A1 und machten nicht unweit in den Weinbergen Rast. Glücklicherweise hatten wir das notwendigste dabei.
Durch die Weinberge ging es nach Riol welches wir auch rasch durchwanderten. Jetzt hatten wir sie endlich erreicht, beziehungsweise im Blick: Die Mosel. Gleich nach Riol schön verbaut durch den entstehenden Freizeitpark und Campingplatz “Triolago (51 Aufrufe)“. Dafür bekamen wir an der 1.170 Meter langen Rodelbahn endlich unser erstes kaltes Bier. Oder auch zwei.
Jetzt war es nicht mehr weit. Mehring, das Ziel unsere Tagesetappe war bereits in Sichtweite. Wir liefen direkt neben der Mosel auf einem Weg für Radler und Wanderer. Wobei man sagen muß, daß die Region hier wesentlich stärker auf Radler ausgelegt ist was die Pflege der Wanderwege zeigt.
In Mehring fanden wir dann recht schnell unser kleines Gasthaus “Alt Mehring” welches sehr individuell eingerichtet war mit viel Schnörkel und Marmorimitat. Als erstes wurde geduscht und dabei wurde ich vom Inhalt meines Rucksacks überrascht. Ich hätte eine kleine dm-Außenfiliale auf dem Weg eröffnen können. So viele Bad- und Hygieneartikel befanden sich darin.
Den Abend verbrachten wir im Gasthof “Zum Kellerstübchen (15 Aufrufe)” bei regionalen Weinen und Speisen. Hier störte nur etwas die Clique vom Juniorchef, welche gerade vom Vatertagsausflug nach Hause kam und alle wohl noch Hunger hatten. Trinken ging nicht mehr.