Moseltour – Senk ju vor träwelling

Verfaßt von am 12. Juni 2011, kategorisiert unter Urlaube / Ausflüge

Sonntag, 05. Juni 2011

Bernkastel-Kues ist bekannt von vielen Postkartenaufnahmen und so wollten wir uns das Städtchen auch einmal näher betrachten. Es empfiehlt sich früh aufzubrechen um den ganzen Touristenströmen zu entkommen. Die Fachwerkhäuser sind wirklich sehr schön anzuschauen auch wenn sich Souvenirläden aneinanderreihen.
Ökologisch bewußt wie wir sind, ähem, fuhren wir mit dem Zug zurück nach Freinsheim. Ich nehme eines schon mal vorweg, die Heimfahrt mit dem PKW von Bernkastel-Kues nach Freinsheim würde in etwa 100 Minuten dauern. Für die Strecke mit dem Zug gibt die Bahn vier Stunden Fahrtzeit an. Theoretisch.
Durch das Frühstück waren wir bestens gestärkt und konnten unserer Heimreise ins diabolische Antlitz starren. Zugfahren ist nicht so ganz meins. Los ging es mit dem Bus. Dieser brachte uns an den Wittlicher Hauptbahnhof. Schön anzusehen. Wir mußten auf unseren Zug warten und tranken so ein Bier an der dortigen Bahnhofsgaststätte. Flaschenbier, versteht sich. Mit einem anderen Pärchen unterhielten wir uns so gut, daß wir unseren Zug nach Kaiserslautern verpaßten. Macht ja nichts dachten wir uns. Wir nahmen dann den nächsten in Richtung Koblenz. Immerhin ist die Strecke auch sehenswerter.
So fuhren wir also, entlang der schönen Mosel, Koblenz entgegen. Unterwegs fiel mir noch ein, daß es aufgrund der Gartenschau im Zug bestimmt voll werden würde. Aber was soll es. In Koblenz mußten wir das Schienengefährt tauschen und bekamen im anderen tatsächlich einen Sitzplatz. Was sollte jetzt noch passieren.
Fahrradfahrer passierten, und zwar die Türen in den Zug. Der Herr Schaffner versuchte sich erfolglos gegen diese zu wehren denn es dürfen nur sechs Fahrräder pro Zug mitgenommen werden. Nur sind manche Fahrradfahrer etwas störrisch und es ist ja auch schwer nachzuvollziehen wer zuerst drin war und wer nicht. So kam die Bahnpolizei dazu und regelte die Situation. Mit einer Verspätung von 20 Minuten fuhren wir los.
An den Zwischenhaltestellen wurden auch alle anderen Radfahrer, egal ob Männer oder Frauen mit Kindern, rigoros stehen gelassen. Während der Rhein an uns vorbeizog hatten wir noch die leise Hoffnung, daß unser Anschlußzug in Bingen warten würde. Doch weit gefehlt, der war schon weg. Also suchten wir eine Gaststätte und fanden “Zum dicken Opa” unweit vom Bahnhof. Es gab Faßbier.
Nach knapp 40 Minuten machten wir uns wieder auf den Weg zum Bahnhof und stiegen dort in den Zug. Schon auf dem Bahnsteig trällerte und die blecherne Stimme entgegen, daß der Zug aufgrund eines Blitzeinschlages in ein Stellwerk nicht bis Alzey fahren kann. Es gibt keinen Gott…
Also mußten wir in Armsheim aus dem Zug in den Schienenersatzverkehr steigen. Schönes, vor allen Dingen, deutsches Wort für so eine scheiß Situation. Der vollbesetzte Bus brachte uns auch nur bis Alzey. Hier mußten wir das Gefährt tauschen und mit einem weiteren Bus nach Monsheim fahren.
In Monsheim war die Welt wieder in Ordnung und von hier fuhren Züge nach Grünstadt. Wenn wir auch, wieder einmal, warten mußten bis das Gefährt los fuhr. Vielleicht warteten Sie noch auf die nächste Katastrophe welches sie für uns bereit hielten. Dem zu entgehen riefen wir bei meinen Eltern an und flehten um einen Transport von Grünstadt nach Freinsheim. Unserem Bitten wurde stattgegeben.
Gegen 19:00 Uhr waren wir in Grünstadt und saßen wenig später in der 2CV und fuhren ohne Komplikationen nach Freinsheim.
Fassen wir noch einmal die Tatsachen zusammen. Fahrzeit mit dem Auto 100 Minuten. Entspannte und entschleunigte Reisezeit mit der Bahn ungefähr 400 Minuten, angegeben waren in etwa 240 Minuten. Pluspunkte für die Bahn wir haben viel erlebt und gesehen. Unter anderem wußten wir beide vorher nicht wo Armsheim liegt. Auch wissen wir jetzt, daß eine Zugfahrt mit verbundenem Radfahren nicht so einfach möglich ist. Zudem haben wir gelernt, daß es im “Dicken Opa” in Bingen Faßbier gibt. Vor allen Dingen wissen wir, daß Stellwerke der Bahn nicht redundant ausgelegt und anscheinend nicht gegen Blitzschlag gesichert sind…
Trotz allem war es ein schöner Urlaub, wir haben viele nette Menschen getroffen und gelernt, daß der Moselwein sehr gut schmecken kann… Allemal eine Reise wert nur nicht mit der Bahn.


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