Altenstadt


Nach der überaus lustigen Anfahrt mit einer wunderschönen Pause bei McDonalds (Danke Thomas und Deiner McDonalds-Strassenkarte), liefen wir gegen Abend in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne ein. Total verwirrt durch die vielen Ausschilderungen und Angaben der Wache, fanden wir nach langem Suchen endlich das GeZi. Dank Alex hatten wir das Glück eine der wenigen 6-Mann-Stuben zu bekommen wobei zwei der Mitbewohner eh schon in Altenstadt stationiert waren (OG Werner, OG Remmele), also waren wir nur zu viert in der Stube. Alex, Daniel, Jürgen und ich. Gleich am ersten Tag ging es los mit der Bekanntmachung mit dem Inspektionschef Hauptmann Jordan sowie den einzelnen Hörsaalleitern Hauptfeldwebel Martin (HS 14/ 4 Insp.). Zu dem Unterricht ging es natürlich gleich im Laufschritt wie auch sonst? Schon dabei hätten die ersten fast abgekotzt.

Wir lernten an diesem Tag das Anlegen des Gurtzeuges T10 sowie die ersten Landefälle im Knien und im Stehen, und das leckere Essen in Altenstadt war uns sehr willkommen, da es bei uns in der Einheit das wohl miserabelste Essen der ganzen Bundeswehr gibt.
Die weiteren Tage waren ausgeschmückt mit den Ausbildungsstationen:
Hänger, Pendel, Turm und Attrappe.

Am Hänger lernt man das Slippen (das bedingte Steuern des Schirms, “hoch in die Gurte greifen und slippt”) sowie das Ziehen der Reserve T10R und das Verhalten bei eventuellen Notlandungen (Draht, Wasser, und Baumlandungen).

Der Horror kommt natürlich mit dem Turm, besonders wenn man noch nie vorher davon gesprungen ist. Der Turm ist 12m hoch und es können pro Seite bis zu vier Mann gleichzeitig springen (“Vier Mann rechte Tür”). Man steht da oben in 12m Höhe und muß zu dem Ausbilder runterschauen und sich mit Dienstgrad, Name und einer zugeteilten Nummer melden. Danach bekommt man vom dem Ausbilder auf dem Turm sein “Ab”, wobei die noch Ihre witzigen Späße mit einem treiben (“Wir haben sie wieder ausgehakt! … und Ab!”) Hopp,Tausend,zwotausend, dreitausend…. Überprüfe Kappe, halte Umschau. Dies kann man alles kombinieren mit der Reserve, man bekommt oben an die Gurte eine rote(Versager) oder gelbe(Fehlentfaltung) Fahne angeheftet und muß nach dem Rausspringen entsprechen ziehen.


Das Pendel macht eigentlich noch am meisten Spaß, da man hier den Landefall fast reell simulieren kann aus einer Höhe von bis zu 3m wird man auf Weichbodenmatten fallen gelassen und versucht sich so gut wie möglich abzurollen. Meistens wird dies nie ganz Perfekt, “Knie schließen noch mal hoch”. Die härtere Version des Pendels ist die Außenanlage, anstatt der Weichbodenmatte gibt es dort nur Sägespäne, aber diese “Ehre” wurde uns nicht zu Teil.

In der sogenannten Bruchzelle einer Transall ohne Flügel lernt man das ordentliche Besetzen des Luftfahrzeuges, das Anschnallen sowie die Überprüfung. Danach wird die Ladeluke geschlossen und es wird einem ein bißchen mulmig, da das Gefühl von einem echten Flugzeug sehr reell rüberkommt. Dann beginnen auch schon die Kommandos, Abschnallen, Überprüfen, Aufstehen, Einhaken, Fertigmeldung. Plötzlich werden die beiden Türen geöffnet und es heißt noch 2 Minuten. Vorrücken! Fertig zum Sprung! Der erste Mann von jeder Seite tritt in die Tür. Noch zehn Sekunden und danach ertönt eine gellende Sirene, so daß man nur noch rausmöchte aus dem Flieger, und ab geht´s.

Am Ende der elftägigen Bodenausbildung steht die gefürchtete Pendelprüfung bei der jeder geprüft wird ob man draußen einen Landefall überleben würde. Fast alle aus unserem Hörsaal haben es geschafft. An dieser Stelle ist ein guter Punkt um den Gefreiten (Ober-) Meihofer zu erwähnen.

Dann beginnt er, der langersehnte Sprungdienst. Abends gibt es Zapfenstreich und morgens geht es in die Busse und man verlegt nach Pensing in den Fliegerhorst. Wir hatten das Glück die erste Maschine zu sein und somit kamen wir ohne lange zu warten gleich an die Reihe, Gurtzeug anlegen und sich mental auf den Sprung vorbereiten. Trotz alledem Neuen mit dem man konfrontiert wurde war ich persönlich recht gelassen gewesen. Alle Kommandos die der Absetzer gab hatten wir vollends im Blut und waren heiß auf unseren ersten Sprung aus einem Flugzeug. Erst als die Türen geöffnet wurden und ein kühler Wind die Maschine durchzog wurde einem mulmig. Dann kamen die Kontrollpunkte Strasse und Eisenbahn und der erste Mann trat in die Tür und wartete auf sein “ab”. Plötzlich kam das Kommando noch zehn Sekunden und man zählte geistig mit, viel früher als erwartet ertönte die gellende Sirene und die ersten Springer verließen das Luftfahrzeug. Man “schuffelte” so schnell man konnte hinterher, drückte dem Absetzer die Aufziehleine in die Hand drehte sich in die Tür und sprang explosiv mit aller Kraft ab. Das Zählen vergaß man natürlich vor lauter Aufregung als der Entfaltungsstoß des Schirmes zu spüren war und man die, beim ersten Sprung erlaubten, Jubelschreie der Kameraden vernahm war man glücklich ein solches erleben und überleben zu dürfen.


Der Landefall stellte man sich viel schlimmer vor als erwartet, die ersten Sprünge machte man alles andere als einen richtigen Landefall. Man schlug irgendwie auf dem Boden auf und rollte sich nach bestem Können ab. Froh, wieder den verschneiten Boden unter sich zu haben, machte man sich gleich daran, den Schirm zu bergen und wieder in die mitgeführte Fallschirmtragetasche zu stopfen. Dann nahm man die Beine in die Hand und versuchte schnellstmöglich im Laufschritt den Sammelpunkt zu erreichen. Ich hatte Glück, denn Dank meiner mittleren Größe sprang ich auch in der Mitte unserer Sprungreihe und der Sammelpunkt liegt so ziemlich im ersten Drittel der Absetzstrecke. Das bedeutete für mich höchsten 400 Meter Fußweg, während andere bis zu 1500 Meter zurückzulegen hatten.

Nach dem ersten Sprung wurde am selben Tag Dank des schönen Wetters gleich noch ein zweiter nach dem Mittagessen durchgeführt. Komischer Weise war es jedem mulmiger als beim ersten Sprung, aber das lag sicherlich an der Gewissheit was auf einen zukommt.

Auch dieser Sprung verlief ohne weitere Vorkommnisse, aber danach hieß es Schirmdienst, das bedeutet man muß die über den benutzten Schirme in einem riesigen Trockenturm aufhängen und nach oben ziehen. Das nach oben ziehen geschieht zum Glück automatisch an einer Vorrichtung, die bis zu 12 Schirme fasst.


Der letzte Sprung war der “gefürchtete” Gepäcksprung, das Sprunggepäck wird an speziellen “Dreiecks-Ringen” am Gurtzeug eingehakt und hängt einem dann vor den Knien herum. Man watschelt dann Pinguin-mäßig in Richtung Transall, das sind ca. 600m. Das sieht erst mal zum kotzten aus und ist unbequem hoch acht. Zum Glück sprangen nur 58 Mann aus der Maschine, denn es war überhaupt kein Platz, dadurch das jeder sein Gepäck irgendwo hängen hatte. Das, im Fugzeug vorgeschriebene, “schuffeln” konnte man gleich einmal vergessen, denn dazu war man viel zu unbeweglich. Wie die Lemminge rannten/stürzten wir in Richtung Luke. Aber als man draußen war war es überhaupt gar nicht so schlimm gewesen als jeder dachte (zumindest bei mir nicht). Bei 50m ließ man das Gepäck ab, nahm die Landefallhaltung ein und schaute gebannt nach unten wann das ca. 5m unter einem hängende Gepäck einschlug. Der Schirm mußte diesmal “gefechtsmäßig” geborgen werden, das heißt im Liegen erst mal in Sicherung gehen danach den Schirm zu sich heranziehen und in die Tragetasche zu stopfen. Doch jetzt kam der anstrengende Teil, auf dem Rücken den Fallschirm und den Rucksack, dann irgendwo die Verpackungshülle vom Sprunggepäck und so schnellstmöglich den Sammelpunkt erreichen…

Mittwochsmorgen, am letzen Tag, bekamen wir mehr oder minder feierlich die “Wings” verliehen. Ein langhaariger Ohrringträger, der bestimmt unter seiner Jacke ein “Che Guevara”-T-shirt trug und der absolute Wehrdienstgegner war/ist, sorgte für ganz “tolle” Musik… Dann steckte einem der Hörsaalleiter die Schwingen an die Brust und nach einem “Rot scheint die Sonne” (Fallschirmjägerlied) konnten wir die Heimreise antreten. Alles in allem ein sehr denkwürdiger Moment, gestützt durch die wunderbare Rede von Hptm Jordan…