Rekrutenprüfung
Die erste Nacht draußen war in der Nähe unserer Kaserne und zwar “auf der Höll” so kam es einem auch vor. Es war stockdunkel, kalt, Ausbildung bis tief in die Nacht und danach ein Heimmarsch von ca. 12km…
Unser erstes richtiges Biwak war in Baumholder und ging vom 20. – 24.11. (Mo.-Fr.), dort war es noch dunkler, noch kälter, und viel nässer. Jeder der das schon mal mitgemacht hat kennt die Strapazen, ansonsten kann man sich das nicht vorstellen ohne zu duschen, ohne Toiletten, ohne Licht.
Uns wurde viel Glück zu Teil, ersten bekamen wir Strohballen für unser Zelt, “zwotens” wurde uns Brennholz angeliefert und drittens wurde zum Verpflegen ein NVA-Zelt aufgebaut, somit war man das lästige im Dunkeln verpflegen los.
Die Ausbildung erstreckte sich von früh morgens bis tief in die Nacht mit Alarmposten und Feuerwache. An einem Abend, es war der Dienstag, wurde uns sogar ein Kasten Bier gestellt. Wir sangen mit unserem Gruppenführer, Fähnrich Hrabowski, lustige Sauf-Lieder und erzählten uns gegenseitig unsere Lebensgeschichten. Es war so eine Art von Gruppenabend.
Erbarmungslos wurden wir mittwochs wieder geweckt. Wer die Annehmlichkeit von sanitären Einrichtungen noch nicht zu schätzen weis, der sollte sich einmal auf ein solches Biwak begeben und sich mit den “wunderhübschen” unbeleuchteten DIXI-Toiletten anfreunden. Es macht nämlich nachts sehr viel Freude auf einem solchen “fahrbaren Scheißhaus” seine Geschäfte zu verrichten… erhellt nur mit Hilfe eine Zippos. Dafür konnte man gleich erkennen welche besetzt waren, nämlich die die so toll blau schimmerten…..
Das zweite Biwak, und auch unsere Rekrutenbesichtigung, war in Hermeskeil in der Eifel. Hinverlegen sollten wir Montags mit Helikoptern wegen dem eisigen Wetter wurden daraus normale Verkehrs-Busse, aber wir sollten uns während der Fahrt vorstellen, daß wir in einer CH sitzen. Nach dem Absitzen gab es einen Marsch von ca. 15km zum Biwak-Platz…
Wir freuten uns über den ersten Schnee des Jahres, doch wir freuten uns viel zu früh, wie sich noch heraus stellen sollte. Der Marsch erfolgte gleich mit eingebauter Ausbildung (ABC-Alarm, Bergen eines Verwundeten). Glücklicher Weise erkannte unser Gruppenführer gleich die Situation und fragte, wer der leichteste von uns sei. Ich Fliegengewicht war für diese Ausbildung prädestiniert, also war ich folglich der Nahsicherer und ging vor der Gruppe.
OFw Schmitt kam auf mich zu und erklärte mir, daß er nach der nächsten Biegung eine Üb-Handgranate werfen würde und ich sollte umfallen, schreien, den Helm wegwerfen und mein Bein anwinkeln. Nachdem ich auf dem Boden lag kamen meine Kameraden angerannt und fragten was los sei, bis einem von ihm mein abgerissener Unterschenkel (Kampfstiefel mit Hosenfetzen und Blut) auffiel. Durch ihre rasche Behandlung konnten sie mich schnell auf ihre selbstgebaute Trage legen und abtransportieren, ca. 1 Km bergauf. Es war für keinen von uns angenehm…
Am Biwakplatz angekommen bauten wir unser Lager auf und freuten uns, daß wir die schnellsten waren. Wie immer hatte es die Ausbildung natürlich in sich, mit allem was wir in der AGA gelernt hatten, aber es gab auch heitere Momente… Dafür war es wettermäßig noch kälter (weit unter 0°C), noch dunkler, etwas naß aber dafür stürmig.
Die Prüfungen waren alle recht locker gewesen. Aber dafür kam ein Heimmarsch der nicht ohne war. 22.00 Abmarsch durch die Nacht nach ca. 7km übersetzten mit dem Schlauchboot, was eigentlich ganz lustig war, da wir wieder einmal eine Gruppe überholt hatten und auch noch unbemerkt an den Alarmposten des bei unserer Ankunft verdutzten Oberfeldwebel vorbei gekommen waren.
Nach weiteren 14km stand das Abseilen an einer 35m Steilwand an. Daraus wurde für uns leider nichts, wir kamen dummerweise nur 5min nach der 1. Gruppe an mußten dafür aber lange warten, daß auch noch in eisiger Kälte und bei einem Sturm, der über diese Bergkette pfiff, daß es nicht mehr erträglich war. Dafür bekamen wir das Funktionsprinzip der “Ponchosauna” erklärt, bis der Jg Bonenberger fast in Flammen stand. (erst leise:”Fink, Ihr Poncho brennt. Fink, Ihr Poncho… das ist ja gar nicht Fink”, jetzt viel lauter,”BONENBERGER Sie brennen!”). Nach ca. 2,5h hieß es, ja ihr braucht nicht mehr zu warten, es hat sich jemand im Seil verfangen und wir können nicht weiter machen…
Die nächste Übung die wir ziemlich lange suchen mußten war Überqueren eines Flusses mit dem doppelten Seilstieg, leider ohne spektakuläre Einlagen durch andere Kameraden. Dann wurde der restliche Weg zurückgelegt. Nach 12 Stunden (inklusive der Wartezeiten) kamen wir um 10:00 Uhr in der Kompanie an, es waren dann letztlich ca. 30km gewesen. Doch danach gab es gleich einmal eine heißersehnte Dusche…
Und am Abend bekamen wir unsere “grünen Litzen” sowie unser Namensschild und die Erlaubnis das Barett zu tragen…


Am 14.12.00 war unser Gelöbnis in der Kaserne auf der Ell in Merzig gewesen natürlich hat es geregnet wie Sau. Doch das macht uns ja nichts aus.
Hier sind noch einige Bilder von uns..